· Dr. Sarah Chen · Legal Tech · 2 Min. Lesezeit
KI in Kanzleien: Warum 2026 das entscheidende Jahr wird
Drei von vier Großkanzleien testen bereits KI-Tools. Doch die meisten scheitern an der Einführung. Was unterscheidet die erfolgreichen von den anderen?

Die Zahlen sprechen für sich
Laut einer aktuellen Studie der Bundesrechtsanwaltskammer setzen bereits 74% der Großkanzleien im DACH-Raum KI-Tools in irgendeiner Form ein. Doch nur 23% berichten von einem messbaren Produktivitätsgewinn.
Was läuft schief?
Das Implementierungsproblem
Die meisten Kanzleien kaufen ein Tool und hoffen, dass die Anwälte es schon nutzen werden. Das ist, als würde man einem Chirurgen ein neues Skalpell geben, ohne ihm zu zeigen, wofür es besser geeignet ist als das alte.
Erfolgreiche Kanzleien machen drei Dinge anders:
Sie definieren konkrete Use Cases — nicht “wir wollen KI nutzen”, sondern “wir wollen die Due-Diligence-Zeit bei M&A-Transaktionen von 40 auf 15 Stunden reduzieren.”
Sie messen Ergebnisse — Vorher-Nachher-Vergleiche bei Recherche-Zeit, Fehlerquoten, Mandantenzufriedenheit.
Sie schulen ihre Teams — Nicht einmalig, sondern kontinuierlich. Die besten Kanzleien haben einen internen “AI Champion” pro Praxisgruppe.
Wo KI heute wirklich hilft
Nicht bei der juristischen Bewertung — da sind wir noch Jahre entfernt. Aber bei:
Dokumentenanalyse: Verträge lesen, Klauseln finden, Risiken bewerten. Das kann KI bereits besser als ein Berufsanfänger und fast so gut wie ein erfahrener Associate.
Rechtsprechungsrecherche: Die semantische Suche versteht Konzepte, nicht nur Schlagwörter. Das spart durchschnittlich 3-4 Stunden pro Recherche.
Fristenverwaltung: Klingt trivial. Aber vergessene Fristen sind der häufigste Grund für Haftungsfälle bei Anwälten.
Was kommt als nächstes?
2026 wird das Jahr, in dem KI in Kanzleien vom Experiment zum Standard wird. Nicht weil die Technik so viel besser geworden ist — sondern weil die wirtschaftlichen Argumente nicht mehr zu ignorieren sind.
Kanzleien, die jetzt noch zögern, werden in zwei Jahren Mandanten an Wettbewerber verlieren, die schneller, günstiger und präziser arbeiten.
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell.
Dr. Sarah Chen ist CEO und Co-Founder von Maulytec. Vor der Gründung war sie 15 Jahre als Wirtschaftsanwältin tätig, zuletzt als Partnerin bei CMS. Kontakt: sarah.chen@maulylegal.com